Alternate Text

Friedhofsgeschichten

Geschichten von Mensch zu Menschen.

Von und mit Dietmar Freihalter


friedhofsgeschichten_kiefls_welt_kiefl_friedhofsgärtnerei_1.png

Wenn man selbst beim Thema Tod auch mal lachen kann

Wieder einmal wurde nach Herrn Freihalter gefragt. Ich ging in den Laden, und vor mir standen drei Generationen: die sechsjährige Luise, ihre Mutter und ihre Oma, Frau Kumpf. Sie wollten Blumen für eine Beerdigung bestellen.

Empfohlen worden war ich ihnen von einer langjährigen Stammkundin. Ich hatte sie einmal in der Oper kennengelernt, wo wir zufällig nebeneinander saßen und uns angeregt unterhielten. Kurz darauf kam sie zu uns in den Laden und bestellte Blumen für die Trauerfeier ihres Mannes. Seitdem sehen wir uns immer wieder. Für den Friedhof und für zu Hause holt sie bei Kiefl, was sie braucht.

Auch mit Frau Kumpf hatte ich ein sehr nettes, freundliches und fast schon lustiges Gespräch. Am Ende entstand daraus ein schöner Auftrag. Als sie sich verabschiedeten – Frau Kumpf, ihre Tochter und ihre Enkelin, die ich noch mit einem Blümchen und unseren kleinen Kinderwerbegeschenken ausgestattet hatte – sagte sie zu mir, sie freue sich, dass die Empfehlung so wahrheitsgemäß gewesen sei.

Ich fragte nach, wie diese Empfehlung denn gelautet habe und was sie bewogen habe, zu mir zu kommen. Da antwortete Frau Kumpf:

„Sie wurden uns empfohlen, weil man mit Ihnen, wenn es um den Tod geht, auch mal lachen kann. Das stimmt. Wir drei haben uns bei Ihnen trotz unserer Situation sehr wohlgefühlt.“


Alles Walzer

Ein Termin führte mich zu einem Grab im neuen Teil des Friedhofs. Dort erwarteten mich bereits zwei ältere Damen. Sie stellten sich als Zwillingsschwestern vor, beide 89 Jahre alt und beide verwitwet.

Wir standen am gemeinsamen Grab ihrer verstorbenen Ehemänner. Auf dem Grabstein standen aber noch weitere Namen: Auch die beiden Kinder der Schwestern waren bereits verstorben. Wir unterhielten uns gut und besprachen die Details der gewünschten Neuanlage. Eine Pflege der Anlage wollten sie nicht – das wollten sie selbst noch übernehmen.

An uns gewandt hatten sie sich, weil die inzwischen verstorbene Tochter einer der beiden Schwestern schon Kontakt zu mir gehabt hatte. Daran erinnerten sich die beiden 89-Jährigen jetzt wieder. Und sie sagten auch gleich: Die Tochter habe recht gehabt – sie fühlten sich verstanden und sehr angenommen.

Für mögliche Folgegespräche, sagten sie, könne ich mich jederzeit melden. Vormittags solle ich allerdings besser nicht kommen, da seien sie beim Walken oder beim Sport. Nachmittags wäre auch ungünstig, da gingen sie oft tanzen.

Es folgte ein kurzes Stocken. Dann lachten beide schallend.

Ich sagte: „Gut, dann komme ich eben zum Mittagessen oder ich gehe gleich mit zum Tanzen.“

Darauf rief eine der beiden: „Damenwahl!“ und kam mit ausgestrecktem Daumen auf mich zu. Die andere rief: „Alles Walzer!“ und klatschte den Dreivierteltakt.

Also drehten wir ein paar Runden über den Kiesweg, und meine Tanzpartnerin summte sogar mit. Gut, dass ich tanzen kann.

Am Ende bestätigten mir die beiden noch, dass ich durchaus geeignet wäre – sie müssten mich allerdings warnen: Ich wäre dort der Jüngste und neben gut zwanzig alten Schachteln nur einer von zwei Herren. Und was das Grab anging, habe die Tochter ohnehin schon herausgefunden: Das werde schon gut.

friedhofsgeschichten_kiefls_welt_kiefl_friedhofsgärtnerei_2.png
Zurück
Zur Startseite